Nach einem Unfall geht es nicht selten um Sekunden. Foto: Shutterstock/Thawornnurak

eCall: Automatischer Notruf soll Leben retten

Bei einem Unfall geht es um jede Sekunde. Oft sterben Unfallopfer, weil die Rettungskräfte nicht schnell genug benachrichtigt werden können oder die Unfallstelle schwer zu finden ist. Die Europäische Kommission will das jetzt ändern und führt dazu ein automatisches Notruf-System, den sogenannten eCall, ein.

Ein solches System könnte auch zur Pannenhilfe benutzt werden, kommerzielle Anbieter geraten jedoch oft unter den Verdacht des Datenmissbrauchs.

Der eCall basiert auf einer im Wagen verbauten Einheit, die eine SIM-Karte und einen Empfänger für GPS- und Galileo-Satelliten enthält. Registriert die Elektronik des Fahrzeugs einen Unfall, wird ein Notruf abgesetzt. Dieser ist jedoch mehr als die bisherige Sprechverbindung zur Notrufzentrale.

Auto übermittelt Datensatz

Beim Öffnen der Airbags übermittelt der eCall einen Datensatz an die Leitstelle. Darin enthalten sind die genaue Position des Unfallorts und weitere Informationen über Fahrtrichtung, Insassen und angeblich sogar, ob diese angeschnallt waren.

Falls die Insassen selbst nicht mehr in der Lage sind, einen Notruf abzusetzen oder mit Rettungsdiensten zu sprechen, soll dieser Datensatz ausreichen, um trotzdem eine schnelle Rettung zu ermöglichen. Die Europäische Kommission erwartet eine Reduzierung der nach einem Unfall verstrichenen Zeit um bis zu 60 % in urbanen Gebieten.

Auch ein manuelles Auslösen soll möglich sein. Damit können etwaige Zeugen oder der Fahrer selbst einen Notruf absetzen und Pannenhilfe anfordern.

Kosten für eCall noch unklar

Unklar ist bislang, welche Kosten der eCall dem Autofahrer aufbürdet. So geht die Bundesanstalt für Straßenwesen von Kosten zwischen 47 Euro und 168 Euro aus, die Europäische Kommission nimmt etwa 100 Euro an. Diese Kosten beziehen sich auf Neuwagen, demnach wird das Umrüsten älterer Modelle teurer.

Dazu kommen noch die Kosten für den Notruf selbst, da dieser über eine SIM-Karte getätigt wird, können im Ausland Roaming-Gebühren anfallen. Allerdings sieht die Planung vor, dass die Mehrkosten nicht von den Verbrauchern zu tragen sind. Dem gegenüber stehen bis zu 14.000 weniger Schwerverletzte und 2500 weniger Verkehrstote auf europäischen Straßen.

Der ADAC fordert, dass ein separater Knopf zum Herbeirufen von Pannenhilfe verbaut wird, um die Notrufzentralen nicht zu überlasten. Daran hängen einige Probleme des Systems, die auch an den kommerziellen Anbietern sichtbar werden. So muss der in BMWs verbaute intelligente Notruf als Sonderausstattung gebucht werden; bei einem Notruf wird mit einem BMW Callcenter verbunden.

eCall und der Datenschutz

Die Gefahr ist groß, dass Helfer im Fall einer Panne ihre Macht ausnutzen und das Unfallopfer zu teuren Vertragswerkstätten lotsen. Auch Versicherer freuen sich über die Datenflut: so können Laufleistung und Stellplatz des Wagens überwacht werden, um Versicherungsbetrügern auf die Schliche zu kommen.

Die Europäische Kommission versucht diese Vorwürfe dadurch zu entkräften, dass der eCall nur bei einem Unfall aktiv wird und im regulären Betrieb keine Daten über GSM weitergibt. Darüber hinaus soll sich der Fahrer aussuchen können, ob und wenn ja, welche Pannenhilfe er in Anspruch nimmt.

Geschrieben von Maren

Maren Richter ist als Auto-Journalistin bereits seit Jahren Expertin in Sachen Gebrauchtwagen, Neuheiten sowie Tipps und Tricks rund ums Auto. Nach ihrem Journalismus-Studium arbeitete sie mehrere Jahre für einen der größten deutschen Autobauer. Inzwischen ist sie als freie Beraterin und Autorin tätig. Kontakt-Möglichkeiten gibt es über Kontakt-Link unten.